Der Kalkofen und der Brand
Die aus Kalkstein gemauerten Öfen bestanden aus einem zylindrischen Brennschacht mit ca. 4 m Durchmesser und 6 m Höhe. Das rohe Kalkgestein wurde kuppelförmig aufgeschichtet, wobei Zwischenräume für den Rauchabzug ausgespart blieben. Danach wurde der Schacht 2 m hoch mit Kalkgestein aufgefüllt. Dazwischen wurden Fichtenstämme als sogenannte „Pfeifen" eingebaut. Sie verbrannten zuerst und bildeten in der Folge Luftabzugsschächte. Zuoberst wurde das zu brennende Material noch einmal aufgeschichtet und mit Reisig und Lehmmörtel abgedeckt.
„3 Tage und 4 Nächte"
Durch ein Feuerloch an der Vorderseite wurde nun das Brennholz unter die Kuppel gebracht und entzündet. Pro „Brand" wurden bis zu 25 Festmeter Holz verbraucht. Wie Joseph Schultes im Jahre 1802 beschrieb, brannte der Kalk dann 3 Tage und 4 Nächte, bevor er noch heiß aus dem Ofen geräumt und zur Weiterverarbeitung nach Wien gebracht wurde.
Kalk für Wien
Das Ausräumen war eine sehr harte und ungesunde Arbeit, da der heiße Staub des frischgebrannten Kalks die Schleimhäute stark reizte. Der Kalk aus dem Helenental wurde von Fuhrleuten nach Osten bis nach Bruck und Pressburg geliefert. Hauptabnehmer war aber selbstverständlich die Haupt und Residenzstadt Wien. Der kaiserliche Hof benötigte viel Kalk zum Bau von Festungsbauten und öffentlichen Gebäuden und besaß daher ein Vorkaufsrecht.
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