Pro Talk #2 in Baden: Baukultur im Fokus

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Pro Talk

GR Herbert Dopplinger, Dörte Kuhlmann, Ruth Pröckl, StR Franz Schwabl, Alexandra Harrer, Ingeborg Hödl, Caroline Jäger-Klein und GR David Allram-Markel ©psb/sap

Leitfaden als gemeinsamer Entwicklungsprozess gestartet

Im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft stand am 15. April 2026 im Haus der Kunst Baden eine zentrale Frage im Raum: Wie kann qualitätsvolles Bauen im historischen Bestand heute gelingen? Die Stadtgemeinde Baden lud zum zweiten „Pro Talk“. Rund 50 Architekten, Baumeister sowie bauinteressierte Zuhörer nutzten die Einladung, um sich im Rahmen einer Roundtable-Diskussion mit fünf Experten auszutauschen. Im Fokus des Abends stand die Baukultur Badens und die Suche nach Orientierung, um jene Qualität zu sichern und weiterzuentwickeln, die der Stadt ihre unverwechselbare Identität verleiht und wesentlich zu ihrer Anerkennung als UNESCO-Welterbe beigetragen hat.

Ruth Pröckl, stellvertretende Vorsitzende des Beirats für Baukultur in Österreich: „Mit der Davos Declaration wurde Baukultur europaweit als Qualitätsanspruch verankert. Österreich hat darauf auf Bundes- und Landesebene reagiert, nun geht es darum, diese Ziele vor Ort umzusetzen.“ Genau hier setzt der Leitfaden „Architektur verstehen. Stadt gestalten.“ an, der von ICOMOS Austria in Kooperation mit der Technischen Universität Wien derzeit für die Stadt erarbeitet wird.

Baustadtrat Franz Schwabl betonte die Zielrichtung: „Wir brauchen ein Tool, das in der Praxis funktioniert und Entscheidungen nachvollziehbar macht. Es geht nicht um zusätzliche Vorschriften, sondern um eine Hilfestellung für Bauwerberinnen und Bauwerber.“

Eine besondere Herausforderung liegt im sensiblen historischen Kontext Badens, etwa in den Villengebieten und entlang der prägenden Boulevards der Welterbe-Propertyzone. Caroline Jäger-Klein, Präsidentin von ICOMOS Austria: „Baukultur ist in Baden historisch gewachsen und bis heute identitätsstiftend. Angesichts der Tatsache, dass heute überwiegend im Bestand gebaut wird, braucht es ein klares Verständnis dieser Qualitäten.“ Auch Dörte Kuhlmann, ao. Professorin an der Technischen Universität Wien, verwies auf die fachliche Basis: „In der Ausstellung im Jänner haben unsere Studierenden diese Qualitäten erstmals systematisch aufgearbeitet – ein zentraler Baustein für die Entwicklung des Leitfadens.“

Der Abend setzte bewusst auf den Prozess, statt auf fertige Lösungen. Ingeborg Hödl, Geschäftsführerin des Vereins Welterbegemeinden, brachte es auf den Punkt: „Ein Leitbild entsteht nicht am Reißbrett, sondern im Dialog. Entscheidend ist, alle Beteiligten früh einzubinden, denn ob Baukultur gelingt, zeigt sich im Ausgleich unterschiedlicher Interessen und in klaren Leitlinien, die gemeinsam getragen werden.“ Die zahlreichen Wortmeldungen zeigten das große Interesse und auch die unterschiedlichen Perspektiven. Alexandra Harrer, Welterbemanagerin in Baden, unterstrich: „Baukultur lebt vom Austausch. Mit dem Pro Talk schaffen wir bewusst einen Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen.“

Die teils intensive Diskussion machte deutlich, worauf es den Badenern ankommt. Transparenz, Anwendbarkeit und Verständlichkeit. Darauf bauen die nächsten Schritte auf. Planungsbüros und Unternehmen sind eingeladen, den Leitfaden in den kommenden Wochen zu testen. „Wir wollen wissen, was im Alltag funktioniert – und was nicht“, so Caroline Jäger-Klein. Die Rückmeldungen fließen direkt in die Weiterentwicklung ein – als zentraler Bestandteil der Roadmap hin zu tragfähigen Gestaltungsrichtlinien für Baden.

Der zweite Pro Talk zeigt damit: Baukultur entsteht im Diskurs – und genau darin liegt ihre Stärke.

Pro Talk

Roundtable-Diskussion

Pro Talk Vergleiche zwischen den Welterbestätten Baden und Wachau

20.04.2026